A-Z: Zusammenfassung

10_Zusammenfassung_Eins bis Zehn

Zusammenfassung:
Nameless ist eine niedliche Katze. Eines Tages greift ein männlicher Zweibeiner nach ihr, verfrachtet sie in sein Cabrio und setzt sie in seiner Berliner Flachleger-Wohnung ab. Er verwöhnt sie mit Streicheleinheiten und Leckeren. Daher nennt sie ihn: Die Hand.
Die Katze Schrödinger lebt gegenüber auf den Dächern, sie hat Die Hand schon länger im Visier, sie beobachtet nämlich mit Forschergeist das menschliche Paarungsverhalten und Die Hand ist sozusagen ihre Goldgrube. Doch nach dem Einzug von Nameless verändert sich sein Verhalten, er datet plötzlich nur noch eine Frau.
Nameless gewöhnt sich schnell an Schneewittchen. Schneewittchen ist kaum größer als ihr Kratzbaum und sie lässt sich, genau wie die Katze, auch gern verwöhnen. Schrödinger wendet sich von ihrem Lieblings-Objekt ab und versucht ihren Forschergeist an einem anderen männlichen Zweibeiner zu stillen.

Und hier alle Beiträge von 1-10 in voller Länge:

01_Nameless #1
Hallo,
mein Name ist Nameless und ich bin gerade umgezogen. Es ist ja nicht so, dass ich es wollte – aber Die Hand ist vorbeigekommen und hat mich mit zu sich genommen. Das erste, was ich sah war seine Uhr. Ich überlegte kurz ihn zu beißen, als er in mein Versteck griff – aber mir gefiel es, wie er nach Steak roch und ich hatte schon immer eine Schwäche für Manschettenknöpfe – also lies ich zu, dass er mich im Nacken packte.
Die Hand wünschte Birgit – meiner bisherigen Dosenaufmacherin noch ‘Alles Gute’ und ging mit mir raus. Er stellte meinen Transportkorb auf dem Boden, schmiss die Tüte mit dem Katzenstreu und Katzenfutter in den Kofferraum und stellte meine Transportbox auf die Rückbank seines Cabrios. Aha, Cabriofahrer im mittleren Alter – ich beschnüffle mal seine Rückbank lieber nicht so genau…
Ich hasse es, hinten zu sitzen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich Cabrio fahre. Cathy hat mich früher oft mitgenommen auf ihren Trips nach Brandenburg. Da hingen wir ein paar Tage auf so einem Bauernhof ab, wo Cathy sich Pillen einwarf und sich die Füße lecken ließ. Ich mochte Pillen noch nie und ich kann mir die Füße auch selber ablecken, aber Cabrio fahren ist cool.
Ich versuchte eine halbe Stunde lang ihm mit mjaulen zu verstehen zu geben, dass er das beschissene Verdeck aufmachen soll – wozu fährt man sonst ein dachloses Auto? Er war aber der Meinung, dass es für mich zu aufwühlend sei und draußen doch viel zu kalt. Hallo??? Nicht umsonst heißt die Sitzerhitzung auch Muschigriller. Das hält Muschis nämlich warm!!!
Trotz Kommunikationsschwerheiten sind wir angekommen. Die Hand wohnt in einer schicken Altbauwohnung in Prenzlauer Berg. Ich bin zwar nicht so gut in der Orientierung, aber Prenzlauer Berg riecht man einfach. Soja Latte, Qinoa Windel, Bartöl – das ist unverwechselbar. Birgit wohnt in Kreuzberg, da riecht es nach Penner, Gras und Köfte.
Die Hand setzte meine Transportbox ab und öffnete das Gitter. Er ist sich bewusst, dass er seine Ebayverkäufe ab jetzt nicht mehr mit “tierfreiem Haushalt” betiteln darf und das Bett mit mir teilen muss. Er geht mit mir also ein Commitment ein.
Ich beschließe, Die Hand eine Chance zu geben.

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02_Schrödinger #1
Auf dem Dach ist es angenehm. Die Sonne hat den Stein erwärmt auf dem ich sitze. Meine Augen können ohne Hast die Zweibeiner im Haus gegenüber beobachten. Weit weg und doch mittendrin mit warmen Arsch, so mag ist es. Ein feines Leben. Warum ich erst vor ein paar Monaten auf die Idee mit dem Dach gekommen bin, weiß die Bastet.
Zuvor war die Straße mein Ort des Herum-Streifens und Lungerns. Der Gehweg wurde bestenfalls von unachtsamen Schuhen, klingelnden Cargo-Bikes und den ratternden Rollen kleiner Koffer beherrscht, die aribnb Horden hinter sich herzogen. Sie achteten nicht auf mich. Sie suchten, den Blick aufs Smartphone gerichtet, den Ort, an dem sie sich herumwälzen und das Klo benutzen können.
Schlimmstenfalls entdeckte mich einer der einheimischen Zweibeiner im urban-gardening Gestrüpp rings um die Straßenlinde. Weibchen, die lange blaue Mäntel mit klobigen Schuhen ohne Socken trugen und Becher in den Händen hielten, waren leicht zu verscheuchen. Einmal Fauchen reichte. Sie mögen keine Konflikte. Die männlichen Exemplare lockten mich mit „Miez Miez“ oder mit ironisch gemeinten Bezeichnungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Doch ich bin weder Muschi noch Pussy. Mein Name ist Schrödinger, grau getigert und un-anhänglich.
Ich bin eine Katze, weiblich (trotz des Namens, jaja, nicht kleinlich sein) und ich erzähle in diesem Blog zusammen mit meiner Mit-Katze Nameless (die ihr schon kennt) unsere Geschichte.
Ich beginne hier auf dem Dach in der Abendsonne. Nameless ist noch nicht aufgetaucht, ich sitze auf meinem Beobachtungsposten und spähe mein Lieblings-Objekt aus: das Männchen gegenüber im zweiten Stock.
Ob das wirklich der Anfang unserer Geschichte war, weiß ich nicht. Denn während etwas geschieht, ahnt man ja noch nicht, dass es der Anfang einer bedeutenden Geschichte sein wird. Steht ja kein Schild rum: Achtung, wenn du jetzt hier lang gehst, wird sich dein Leben ändern! Leider nö, gibt’s nicht.
Selbst wenn wir noch zögern, sind wir schon mittendrin in der Geschichte – sagt die Katze und zuckt mit der Nase.

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03_Schrödinger #2
Ich gähne und lasse meine Ohren zucken. Entscheidungen zu beklagen, die man in der Vergangenheit getroffen hat, ergibt nur einen Sinn, wenn man was daraus lernt. Was ja selten genug der Fall ist.
Immerhin lebe ich nun auf dem Dach. Dabei könnte ich es belassen. Doch ich frage mich, warum ich es so lange auf der Straße in einer misslichen Lage aushielt, ohne auf die Idee zu kommen, die Lage zu ändern? Tscha! Um mich vom Nachdenken über die Frage abzulenken richte ich meine grünen Augen auf mein Lieblings-Objekt.
Im Haus gegenüber stehen die Balkontüren offen. Ganz oben klappert Geschirr, unten ist wie üblich niemand zu sehen und im zweiten Stock tritt mein Objekt auf den Balkon und steckt sich eine Zigarette an. Ich mag das große Männchen, auch wenn es unprofessionell ist, das zu sagen. Objekte soll man nicht mögen, ich weiß. Aber er funktioniert präzise und seine Verhaltens-Muster sind gut zu erkennen. Kein Wischiwaschi, wie bei vielen seiner Art.
Für gewöhnlich parkt er sein Cabrio, steigt aus, nimmt Tüten aus dem Kofferraum, geht in den zweiten Stock und putzt sich mit Wasser (iiihhh). Ich muss mich jedes Mal schütteln, wenn er feucht aus dem Bad kommt und sich vor seinen Schrank stellt. Er zieht sich an und sieht genauso aus wie zuvor: Ein weißes Hemd und eine dunkle Hose. Er reicht jetzt wahrscheinlich anders, doch das kann ich von hier oben nicht feststellen. Starker Geruch, den sie aus kleinen Flaschen auf sich sprühen, ist Teil des Balz-Ritus. Dabei haben Menschen Unmengen von Drüsen, die sie allerdings kaum zur Kommunikation nutzen. Ein Rätzel.
Eine Uhr, zwei Smartphones, ein Portemonnaie und die Schlüssel des Wagens steckt er ein und geht. Zurück kommt er mit einem langhaarigen Weibchen, er gibt ihr Sekt zu trinken, sie sitzen auf dem Balkon. Wenn der Wind günstig steht, kann ich riechen, dass sie sich gleich die Gesichter ablecken werden. So beginnt die Paarung.
Ist kein Weibchen vorgesehen, putzt er sich nicht, sondern macht sich eine Dose Linsensuppe warm und setzt sich mit Rotwein und Zigaretten auf den Balkon. Heute ist so ein allein-mit-der-Linsensuppe-Abend. Er drückt die Zigarette im Aschenbecher aus und sieht aus, als ob ihm was fehlt.
Ich bin gern allein – sagt die Katze und leckt sich genüsslich überall.

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04_Schrödinger #3
Irgendwann bin ich eingeschlafen und es ist Nacht als ich erwache. Das Objekt liegt im Bett und das blaue Licht des Fernsehers zieht über seinen Körper. Es sieht aus, als würde er mit Milch übergossen, fast zähflüssig bewegt sich das Licht. Seine rechte Hand umklammert sein Geschlecht. Haarlos und ohne Kleidung bewegt er seine Hand auf und ab, langsam, im Rhythmus seines Atems. Das interessiert mich nicht, das habe ich schon oft gesehen. Ich gehe los, um ein paar Mäuse auf den Dachböden zu fangen.
Am nächsten Tag warte ich lange bis sein Wagen endlich in die Straße einbiegt. Etwas ist anders, das sehe ich sofort. Er fährt vorsichtig. Beinahe so als hätte er Zerbrechliches auf dem Rücksitz. Ich recke mich vor, trippele bis an den Rand des Dachs um besser herunter spähen zu können. Katzen fallen zwar immer auf die Pfoten, so heißt es, aber ich möchte den Wahrheitsgehalt dieser Aussage jetzt nicht überprüfen. Ich fahre die Krallen aus für besseren Halt. Er öffnet die Beifahrertür und zieht etwas Sperriges vom Rücksitz. Ich höre ihn leise reden: „Miez, Miez, ist ja alles gut“.
Diese Stimmlage kenne ich. Er lockt, er beruhigt. Er spricht mit einer Katze, die in der Transportbox hockt und die er nun vorsichtig zur Tür trägt. Etwas zu schwungvoll wende ich mich vom Geschehen ab und falle fast vom Dach. So ein Mist, denke ich. Ich springe mit großen Sprüngen über die Dachpfannen und fauche eine fette Taube an, die vor Schreck wie paralysiert hocken bleibt. Ich hab’ gerade keine Lust auf Taube. Sie hat Glück und ich Pech.
So ein Mist, denke ich erneut. Schlimm genug, dass die neue Katze seine Routine verändern wird, sie ist zudem jetzt in der Pole-Position um ihn zu beobachten.
Warum ist mir das nicht eingefallen? – fragt die Katze und verflucht für einen Moment ihre Unabhängigkeit.

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05_Nameless #2
Die Hand rasiert sich, kommt bluttropfend aus dem Badezimmer, greift nach der Packung Fleisch und schneidet sie auf.
Nein, es ist nicht das Intro von Dexter. Es ist Die Hand – die gerade Frühstück für mich macht. Wie heiß es so schön bei den Menschen? Ich zitiere ‘Mens Health’: “Wenn Sie eine Frau wiedersehen möchten, dann machen Sie ihr Frühstück”.
Die Hand ist klar, dass er diese Nummer bei mir nicht durchziehen muss. Dass ich in der Nacht mein großes Geschäft in seinem Badezimmer hinterlassen und seine Kontoauszüge durchwühlt habe, dürfte Zeichen genug sein, dass ich hier noch lange bleiben werde.
Außerdem habe ich mich am Morgen gleich auf sein Gesicht gesetzt. Das ist quasi mein morgendliches Ritual – die Leute sind sofort wach und wissen auch, dass mein Verlangen nach Essbarem befriedigt werden muss.
Die Hand setzt sich mit seinem Kaffee neben mich hin und schaut mir dabei zu wie ich das Essen runterschlinge. “Schmatz, schmatz”, sagt Die Hand und streichelt meinen Kopf. Ich nehme es als Kompliment und gebe mir Mühe, noch lauter zu sein. Die Soße tropft auf das Parkett und zieht schön ins Holz ein – es scheint ihn aber nicht zu stören.
Nach dem Frühstück lasse ich mich noch ein wenig von ihm kraulen und bürsten. Die Hand ist geübt. Er gleitet gekonnt über mein Fell, ich liege auf dem Rücken und schnurre ihn genüsslich an. Ich kann seine Manschetten fühlen, meine Pfoten drücken leicht gegen seine Anzughose. In dieser Position kann ich meine Krallen sofort rausfahren, wenn es mir doch unangenehm werden soll… wird es aber nicht. Es war kein Fehler, mit Die Hand mitzukommen. Es war aber ein großer Fehler von Die Hand, kurz vor der Arbeit mich noch im Anzug zu kraulen und bürsten. Nun sehe ich ihm dabei zu, wie er meine Haare mit der Fusselrolle wieder entfernt. Bei Cathy war es nicht so schlimm, sie hat ständig Fell getragen, es fiel nicht so auf wenn da auch noch Katzenhaare drauf waren.
“Ich komm heute spät nach Hause, sei artig”, sagt Die Hand und geht zur Tür.
“Miau, und wer soll mich füttern?”, frage ich.
“Um zwölf geht der Futterautomat an, du wirst schon nicht verhungern.”
“Miau, aha!”
Dann bleibt ja genug Zeit, die Wohnung zu verwüsten – sagt die Katze.

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06_Nameless #3
Die Wohnung von Die Hand hat etwas von einer Flachlegerwohnung. Wenig Mobiliar, leere Küchenschränke, ein großes Bett und ein großer Fernseher.
Obwohl Die Hand keine Haare hat, besitzt er einen Föhn und einen Lockenumwickler. Nachdem er gestern meinen Haufen im Badezimmer weggemacht hat, säuberte er den Boden mit Babyfeuchttüchern. In der Wohnung entdecke ich Haare verschiedener Farben und Längen. Es wird wahrscheinlich nicht lange dauern, bis ich die wahren Besitzer dieser Gegenstände kennenlernen werde. Vielleicht schon heute?
Wie versprochen, pünktlich um 12 raschelte der Futterautomat. Der Motor befördert das Trockenfutter mithilfe eines Schäufelchens nach außen. Die Schale füllt sich. Raffiniertes Teil.
Ich bin eigentlich noch recht satt von dem späten Frühstück. Ich beschließe, ein wenig frische Luft zu schnappen. Die Hand hat netterweise die Tür zum Balkon aufgelassen. Von hier aus kann ich die Straße ganz gut beobachten. Heute ist Markttag. Buggabooschieber und Tragetuchträger flanieren mit ihren Jutebeuteln und Kanken-Rucksäcken vom Stand zu Stand um Futter einzusammeln. Deliveroo und Foodora Lieferanten fahren abwechselnd die Straße entlang. Schon bewundernswert, was die Menschen alles ausgedacht haben um die Ernährungsversorgung sicherzustellen.
Nach einer weiteren Futterautomatladung, einer zerbrochenen Vase und drei Nickerchen, geht endlich das Licht im Flur an. Die Hand kommt rein, mit Begleitung. Lange schwarze Haare, rote Lippen, kaum größer als mein Kratzbaum. Sie scheint die Wohnung noch nicht zu kennen, blickt neugierig rum und setzt sich vorsichtig auf den Küchenstuhl.
“Schöne Wohnung”, sagt die Frau.
“Danke. Möchtest du ein Sekt?”
“Nein Danke, ich vertrage nichts.”
“Ah stimmt, hast du gesagt. Tut mir leid, ich habe wirklich ein schlechtes Gedächtnis.”
“Scheint so. Weißt du noch wie ich heiße?”
Beide lachen laut. Die Hand streichelt über ihre Haare, ihre Wangen berühren sich und er flüstert ihr ins Ohr: “Ich nenne dich Prinzessin, meine süße Prinzessin.”
Gute Taktik! Aber um eventuell anstehende Verwechslungen zu vermeiden, nenne ich die Kleine hier erstmal Schneewittchen. Falls Cinderella, Ariel oder Belle noch auftauchen sollten.
Die beiden küssen sich und beginnen sich zu paaren.
“Raschel, raschel”, macht der Futterautomat. Endlich! Es wurde aber auch Zeit – sagt die Katze.

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08_Schrödinger #4
Mit langer Kralle puhle ich eine tote Meise aus der Dachrinne. Gestern hat mein Lieblings-Objekt vom Haus gegenüber der fremden Katze Fleisch klein geschnitten. Er hat ihr einen Futterautomaten gekauft: lächerlich. Eine Katze sollte sich schämen von einem knatternden Plastikeimer, der in regelmäßigen Abständen Trockenfutter spuckt, abhängig zu werden. Die Meise zerfällt, in der Dachrinne war es zu nass, um eine gute Konsistenz zu behalten.
Na egal. Die Welt ist voller Leckerbissen. Ich laufe über den Dachfirst und springe auf die Brüstung einer Terrasse. Aufrecht, den Schwanz um meine Pfoten gerollt, beziehe ich Posten und beobachte ein anderes zweibeiniges Männchen, was in eine Jacke gehüllt in einem weißen Stapelstuhl aus Plastik hockt und auf seinem Handy herum wischt. Es sitzt schon seit Beginn der Nacht dort. Hat sich kaum bewegt. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Männchen ein geeignetes Objekt zur Beobachtung abgibt. Er tippt viel und spricht viel mit sich selbst, aber es kommen, trotz all seiner Mühen, nie Weibchen in die Dachwohnung.
Von daher ungeeignet. Wie soll ich Paarungsverhalten beobachten, wenn das Männchen sich lediglich Bilder von Frauen anschaut?
“Jetzt wische ich alles nach rechts. Alle! Ist mir auch schon egal”, sagt das Männchen und sein Geruch der Verzweiflung mischt sich mit dem der Chickenwings, die er nicht aufgegessen hat.
Ich maunze ihn fies und fordernd an. Er erschreckt sich wie erwartet, überlegt, ob er mich verscheuchen soll, ist dann aber doch zu feige. Der Zweibeiner murmelt: “Scheiß Katze” und geht in seine Bude. Ich mache mich über die Hähnchenflügel her. Schlinge hastig und ärgere mich darüber, dass die fremde Katze mir mein Lieblings-Objekt verdirbt.
Manchmal merkt man erst wie sehr einem was am Herzen liegt, wenn es weg ist – sagt die Katze und leckt die rote Sauce vom Pappteller.

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08_Nameless #4
Nach unendlichen Paarungsakten stehen Schneewittchen und Die Hand auf.
Das Schlafzimmertür war zwar auf und ich musste nicht daran kratzen, aber das Gesicht von Die Hand war irgendwie immer besetzt. Ich konnte ihm nicht klar machen, dass ich Hunger hatte.
Gestern Nacht habe ich gesehen, wie die getigerte Katze vom gegenüber Chicken-Wings geklaut hat. Ich wollte auch Chicken-Wings und kein Trockenfutter.
“Willst du ein Ei?”, fragt Die Hand.
“Mau, ja”. Wenn kein Huhn, dann reicht auch ein Ei.
“Ja, gerne”, sagt Schneewittchen.
Na toll, jetzt macht er ihr auch noch Frühstück oder wie? Wer kümmert sich um mein Frühstück? Ich springe auf und krallte mich an Die Hand fest. Er erschreckt sich, die offene Packung fällt aus der Hand und die Eier landen auf dem Boden.
“Juhu! Alle Eier für mich!”
“Arghhh!!! Komm, lass uns frühstücken gehen! Blödes Katzenvieh!”, sagt Die Hand zu Schneewittchen.
“Schon okey, ich muss sowieso gehen”, sagt Schneewittchen.
“Ich würde dich aber gern wiedersehen. Wo musst du hin? Ich fahr dich.”
“Nein musst du nicht.”
“Es ist wirklich in Ordnung, ich kann dich fahren.”
Aha, die Paarungsakte waren wohl gut gewesen. Die Hand scheint an der Behausung- und Arbeitsstätte von Schneewittchen interessiert zu sein.
“Okey, dann helfe ich dir noch beim aufräumen. Hast du Mehl da?”
“Klar.”
Schneewittchen nimmt die Tüte entgegen und kippt das Mehl über mein Frühstück.
“Wenn du Eier oder Öl verschüttet hast, hilft Mehl ganz gut.”
Na schön Dank für den ungefragten Haushaltstipp, aber du versaust mir gerade mein Frühstück – sagt die Katze und geht beleidigt auf dem Balkon.

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09_Schrödinger #5
Heute habe ich meinen fiesen Tag. Kommt vor. Genüsslich nage ich an einem der Chicken-Wings, die ich gestern erbeutete. Jetzt hat er das richtige Aroma: leicht an-gewest. Das kann sie natürlich nicht riechen, die Katze von gegenüber. Aber sie hat mich erspäht und schaut mit neidischen Augen herüber. Gegen süß verwesendes Fleisch stinkt jedes Trockenfutter ab!
Ich schlecke mir die Pfote. Blos nichts umkommen lassen. Ja, Mieze, da guckst du, denke ich. Hab ich mir selbst besorgt. Das nennt sich Freiheit. Ich hebe den Blick, beame zu ihr herüber und entschuldige mich, dass ich sie gerade Mieze genannt habe. Sie kann ja nichts dafür, dass sie so niedlich ist.
“Is’ oki, weiß ich doch, dass ich süß bin”, beamt sie zurück.
Kurz lasse ich im Aufstehen den Schwanz zittern und stelle mich vor: “Schrödinger. Beobachtende. Miau”.
“Nameless, gekrault, süß und sauber wie geleckt”, schickt sie ihre Vorstellung über die Straße. Bastet sei Dank können wir Katzen uns lautlos über Distanz verständigen. Ganz schön kess, denke ich und trolle ich mich zur Terrasse des Wischers.
In dem Moment in dem ich ankomme, stößt er die Terrassentür auf. Er lüftet, er stopft alle herumliegenden Klamotten in den Schrank und reißt hecktisch die Sex-Manga-Poster ab. Das Wischen hat zum Erfolg geführt, denn ein Weibchen betritt seine Wohnung. Sie schnauft. Kein Fahrstuhl. Im Schein der Deckenlampe sieht sie nicht begeistert, dafür aber sehr jung und knackig aus. Ihre langen blonden Haare wirft sie ständig über ihre Schulter. Doch er hat keinen Sekt, nur Bier. In der Dose.
Er ist eben nur der Wischer und nicht mein Lieblings-Objekt. Das Männchen von gegenüber würde jetzt die glänzenden rosa Lippen ablecken und das Weibchen fest umschlingen. Ich vermisse ihn. Doch der Wischer schaut sie an, als wäre sie vom Mars. Dabei ist sie genau das, was er wollte. Ein Match. Alle Kriterien erfüllt. Die Traumfrau gähnt, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten.
Ja, manchmal bekommt man genau das was man will. Aber das ist nicht unbedingt das, was man braucht – sagt die Katze.

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10_Nameless #5
Schneewittchen kam am nächsten Abend wieder.
Und am Abend danach.
Und am Abend danach auch.
Ich gewöhne mich schon fast an ihr Rumgestöhne bei der Paarung; und wir teilen uns das Interesse für gekochtes Hähnchen und Die Hands Gesicht.
Ich schnappe mir einen Maul voll Hühnerleber, die Schneewittchen mir zum Frühstück gemacht hat und gehe auf dem Balkon. Schrödinger von gegenüber hat letztens angegeben mit Chicken-Wings von Kreuzburger, die sie geklaut hat. Ich war schon ein bisschen neidisch, gebe ich ja zu. “Manchmal will man eben ein paar Hühner aufreißen” – steht auf deren Website. Aber ich bin eben der häusliche Typ. Wenn ich mich schon auf ein Commitment wie dieses eingelassen habe, dann bleibe ich dabei. Schneewittchen kann außerdem gut kochen. Gepaart mich Die Hands Fingerfertigkeit lässt es sich hier ganz gut leben.
Gestern gab es zum Beispiel Maispoularde an Himbeerschaum mit Erbsenpüree für Die Hand und ich habe die beiden so lange angestarrt, bis sie mir die Flügel gegeben haben. Schrödinger hat den ganzen Nachmittag gehungert und musste für ihr Futter richtig kämpfen. Sie war dann auch ganz stolz drauf und das gönne ich ihr auch. Ich scheiße aber auf diesen radikalen Pussyzismus und lasse mich bedienen. Darum geht es doch, dass man die Wahl hat.

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