Nameless

06_Nameless #3

Die Wohnung von Die Hand hat etwas von einer Flachlegerwohnung. Wenig Mobiliar, leere Küchenschränke, ein großes Bett und ein großer Fernseher.

Obwohl Die Hand keine Haare hat, besitzt er einen Föhn und einen Lockenumwickler. Nachdem er gestern meinen Haufen im Badezimmer weggemacht hat, säuberte er den Boden mit Babyfeuchttüchern. In der Wohnung entdecke ich Haare verschiedener Farben und Längen. Es wird wahrscheinlich nicht lange dauern, bis ich die wahren Besitzer dieser Gegenstände kennenlernen werde. Vielleicht schon heute?

Wie versprochen, pünktlich um 12 raschelte der Futterautomat. Der Motor befördert das Trockenfutter mithilfe eines Schäufelchens nach außen. Die Schale füllt sich. Raffiniertes Teil.

Ich bin eigentlich noch recht satt von dem späten Frühstück. Ich beschließe, ein wenig frische Luft zu schnappen. Die Hand hat netterweise die Tür zum Balkon aufgelassen. Von hier aus kann ich die Straße ganz gut beobachten. Heute ist Markttag. Buggabooschieber und Tragetuchträger flanieren mit ihren Jutebeuteln und Kanken-Rucksäcken vom Stand zu Stand um Futter einzusammeln. Deliveroo und Foodora Lieferanten fahren abwechselnd die Straße entlang. Schon bewundernswert, was die Menschen alles ausgedacht haben um die Ernährungsversorgung sicherzustellen.

Nach einer weiteren Futterautomatladung, einer zerbrochenen Vase und drei Nickerchen, geht endlich das Licht im Flur an. Die Hand kommt rein, mit Begleitung. Lange schwarze Haare, rote Lippen, kaum größer als mein Kratzbaum. Sie scheint die Wohnung noch nicht zu kennen, blickt neugierig rum und setzt sich vorsichtig auf den Küchenstuhl.

“Schöne Wohnung”, sagt die Frau.

“Danke. Möchtest du ein Sekt?”

“Nein Danke, ich vertrage nichts.”

“Ah stimmt, hast du gesagt. Tut mir leid, ich habe wirklich ein schlechtes Gedächtnis.”

“Scheint so. Weißt du noch wie ich heiße?”

Beide lachen laut. Die Hand streichelt über ihre Haare, ihre Wangen berühren sich und er flüstert ihr ins Ohr: “Ich nenne dich Prinzessin, meine süße Prinzessin.”

Gute Taktik! Aber um eventuell anstehende Verwechslungen zu vermeiden, nenne ich die Kleine hier erstmal Schneewittchen. Falls Cinderella, Ariel oder Belle noch auftauchen sollten.

Die beiden küssen sich und beginnen sich zu paaren.

“Raschel, raschel”, macht der Futterautomat. Endlich! Es wurde aber auch Zeit – sagt die Katze.

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