Nameless

05_Nameless #2

Die Hand rasiert sich, kommt bluttropfend aus dem Badezimmer, greift nach der Packung Fleisch und schneidet sie auf.

Nein, es ist nicht das Intro von Dexter. Es ist Die Hand – die gerade Frühstück für mich macht. Wie heiß es so schön bei den Menschen? Ich zitiere ‘Mens Health’: “Wenn Sie eine Frau wiedersehen möchten, dann machen Sie ihr Frühstück”.

Die Hand ist klar, dass er diese Nummer bei mir nicht durchziehen muss. Dass ich in der Nacht mein großes Geschäft in seinem Badezimmer hinterlassen und seine Kontoauszüge durchwühlt habe, dürfte Zeichen genug sein, dass ich hier noch lange bleiben werde.

Außerdem habe ich mich am Morgen gleich auf sein Gesicht gesetzt. Das ist quasi mein morgendliches Ritual – die Leute sind sofort wach und wissen auch, dass mein Verlangen nach Essbarem befriedigt werden muss.

Die Hand setzt sich mit seinem Kaffee neben mich hin und schaut mir dabei zu wie ich das Essen runterschlinge. “Schmatz, schmatz”, sagt Die Hand und streichelt meinen Kopf. Ich nehme es als Kompliment und gebe mir Mühe, noch lauter zu sein. Die Soße tropft auf das Parkett und zieht schön ins Holz ein – es scheint ihn aber nicht zu stören.

Nach dem Frühstück lasse ich mich noch ein wenig von ihm kraulen und bürsten. Die Hand ist geübt. Er gleitet gekonnt über mein Fell, ich liege auf dem Rücken und schnurre ihn genüsslich an. Ich kann seine Manschetten fühlen, meine Pfoten drücken leicht gegen seine Anzughose. In dieser Position kann ich meine Krallen sofort rausfahren, wenn es mir doch unangenehm werden soll… wird es aber nicht. Es war kein Fehler, mit Die Hand mitzukommen. Es war aber ein großer Fehler von Die Hand, kurz vor der Arbeit mich noch im Anzug zu kraulen und bürsten. Nun sehe ich ihm dabei zu, wie er meine Haare mit der Fusselrolle wieder entfernt. Bei Cathy war es nicht so schlimm, sie hat ständig Fell getragen, es fiel nicht so auf wenn da auch noch Katzenhaare drauf waren.

“Ich komm heute spät nach Hause, sei artig”, sagt Die Hand und geht zur Tür.

“Miau, und wer soll mich füttern?”, frage ich.

“Um zwölf geht der Futterautomat an, du wirst schon nicht verhungern.”

“Miau, aha!”

Dann bleibt ja genug Zeit, die Wohnung zu verwüsten – sagt die Katze.

 

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